bauschadstoffe

asbest

asbest ist die bezeichnung für eine gruppe von natürlich vorkommenden, mineralischen fasern. sie sind gegen feuer und säuren beständig und haben eine hohe zugfestigkeit. asbest wurde früher vor allem wegen seiner ausgezeichneten hitze- und feuerbeständigkeit geschätzt. man konnte asbest auch gut zu verbundstoffen zusammenfügen. die wichtigsten anwendungsformen sind festgebunden, schwachgebunden und in reiner form.

zu den festgebunden asbestanwendungen gehören:

  • dach- / fassadenplatten
  • rohrleitungen und formwaren
  • fensterkitt
  • plattenkleber
  • bodenbeläge
  • verputze

zu den schwachgebundenen asbestanwendungen gehören:

  • spritzasbestbeschichtungen
  • asbest-leichtbauplatten
  • bodenbeläge (z.b. cushion-vinyl)

zu den reinen asbestanwendungen gehören:

  • schnüre
  • textilien
  • füllstoffe

asbestfasern haben die eigenschaft, sich in der längsrichtung aufzuspalten. sie können tausenmal dünner sein als ein menschliches haar. beim einatmen gelangen sie daher bis in die äussersten lungenbläschen. die eingeatmeten fasern können jahrzentelang in der lunge verbleiben und sogar ins angrenzende bauch- und brustfell gelangen.

asbest kann einerseits die sogenannte asbestose verursachen. es handelt sich dabei um eine erkrankung der lunge, die im fortgeschrittenen stadium zu zunehmender atemnot führt. andereseits verursacht asbest auch krebserkrankungen. neben einem bösartigen tumor des brust- und bauchfells (mesotheliom) tritt auch lungenkrebs auf. zusätzliches rauchen erhöht das lungenkrebsrisiko um ein mehrfaches.

pcb / cp

pcb (polychlorierte biphenyle) sind rein synthetisch hergestellte chlorverbindungen. sie sind unter anderem alterungsbeständig, wasserunlöslich, schwer entflammbar, korrisionsfest und weichmachend. pcb wurde aufgrund der guten eigenschaften in unzähligen anwendungen wie zum beispiel in vorschaltgeräten von leuchtstoffröhren, ölen, dauerelastischen fugendichtungen, anstrichen und in kunststoffen angewendet. pcb zählt zu den als „deckiges dutzend“ bekannten organischen giftstoffen. aufgrund seiner fettlöslichkeit kann pcb über die nahrung, das einatmen und über die haut aufgenommen werden. die negativen gesundheitlichen auswirkungen auf den menschlichen körper sind noch nicht abschliessend erforscht bzw. nachgewiesen. das auftreten von chlorakne, haarausfall, hyperpigmentierung, leber-, milz- und nierenschäden sind jedoch typische auswirkungen einer pcb-vergiftung. zudem steht pcb im verdacht kanzerogen (krebserregend) zu sein. die verwendung von pcb in offenen anwendungen wurde im jahr 1974 verboten. ein totalverbot folgte im jahr 1986. trotz dieses verbots ist pcb noch heute einer der bedeutendsten bauschadstoffe.

cp (chlorparaffine) sind die nachfolgeprodukte von pcb und haben aufgrund ihrer ähnlichen eigenschaften zum teil deren platz eingenommen. bei den chlorparaffinen unterscheidet man zwischen kurz-, mittel- und langkettigen chlorparaffinen. als gefährlich werden vor allem die kurzkettigen chlorparaffine (sccp) eingestuft. die anwendung dieser ist in der schweiz seit 2006 verboten.

pak

pak (polycyclische aromatische kohlenwasserstoffe) sind organische verbindungen, welche bei allen unvollständigen organischen verbrennungen wie rauchen, autofahren, grillieren, etc. entstehen. pak haben aufgrund ihrer toxizität eine grosse bedeutung als umweltschadstoff. pak sind wasserabweisend, bieten schutz vor schädlingen und vor verrotung, weisen eine geringe elektrische leitfähigkeit auf und haben gute haft- und klebeeigenschaften. aufgrund dieser eigenschaften wurde pak vor allem als weichmacher in gummi, als imprägnierung in bahnschwellen und zum schutz vor schädlingen eingesetzt. zudem wurde pak auch als witterungsschutz in dachpappen, dickbeschichtungen, trennschichten, korkdämmungen und klebstoffen von holzparkettböden verwendet.

in der schweiz gibt es kein generelles verbot von pak. es wurden jedoch einzelne anwendungen verboten.

  • 1970 wurde der einsatz von pak in steinkohleteeren und mit steinkohleteeren behandelten produkten verboten.
  • ende 1990 wurde das imprägnieren von bahnschwellen, telefonmasten, pfählen, etc. mit pak-haltigen teeren verboten.
  • pak-haltige holzparkettkleber fanden bis ende der 90er jahre verwendung.
  • pak-haltige gummiprodukte und reifen wurden bis 2009 produziert.

kmf (alte mineralwolle)

künstliche mineralfasern (kmf) werden umgangssprachlich als glaswolle, steinwolle und mineralwolle bezeichnet. sie finden in der schweiz hauptsächlich als dämmmaterial verwendung. ältere kmf können lungengängige fasern freisetzen. bei kmf, die bis etwa 2000 hergestellt wurden, stehen diese fasern im verdacht, krebserzeugend zu sein. fasern können krebserzeugend wirken, wenn sie in die lunge gelangen, dort ausreichend lange bleiben und biobeständig sind. diese zusammenhänge sind allerdings noch nicht vollständig erforscht. ein wichtiger faktor scheint jedoch die grösse der faser zu sein. fasern mit kritischen abmessungen können, wenn sie biobeständig sind, krebs auslösen. die dazu notwendige mindestbeständigkeit ist jedoch noch nicht bekannt. dieser wirkmechanismus ist für asbest seit langem bekannt. er wird auch für kmf vermutet, bei denen die kanzerogene (krebserzeugende) wirkung im tierversuch schon nachgewiesen werden konnte. im allgemeinen sind künstliche mineralfasern jedoch weniger lungengängig und deutlich weniger biobeständig als asbest-fasern. da sie sich in ihrer zusammensetzung stark unterscheiden, ist für jede faserart eine gesonderte bewertung / untersuchung erforderlich.

in deutschland ist dieses problem bereits seit jahren bekannt und es wurden dementsprechend richtlinien zum umgang mit diesen „alten mineralwollen“ erlassen. in der schweiz wurden bis anhin keinerlei richtlinien erlassen.

schwermetalle

als schwermetalle werden alle metalle mit einer dichte grösser 5.0g/cm3 bezeichnet. die vvea richtet ihr hauptaugenmerk vor allem auf folgende schwermetalle:

  • arsen (As) (halbmetall)
  • antimon (Sb) (halbmetall)
  • blei (Pb)
  • cadmium (Cd)
  • crom (Cr)
  • chrom VI (CrVI)
  • kupfer (Cu)
  • nickel (Ni)
  • quecksilber (Hg)
  • zink (Zn)

bezogen auf die gebäudetechnik ist blei das bedeutendste schwermetall, da es lange und umfangreich zum einsatz kam. schwermetalle sind heute noch in vielen zwischenbodenschlacken zu finden und müssen vor der deponierung untersucht werden.

formaldehyd

formaldehyd ist ein farbloser, stechend riechender stoff, welcher bei raumtemperatur gasförmig vorliegt. es zeichnet sich durch seine chemische reaktionsfreudigkeit und seine gute wasserlöslichkeit aus. zudem tötet es bakterien, pilze und viren ab, weshalb es eine konservierende und desinfizierende wirkung hat. anwendung fand formaldehyd in folgenden materialien:

  • spannplatten / sperrholzplatten aus den 80er (leim)
  • möbel
  • bindemittel
  • klebstoffen
  • giessharzen
  • ortschäumen
  • bodenbelägen

bei neuen möbel und frisch verlegten böden kann eine ausgasung des klebstoffes und ein damit verbundener unangenehmer geruch entstehen. es kann eine reduzierung der formaldehydkonzentration durch intensives lüften erzielt werden. am häufigsten wird formaldehyd durch die lungen aufgenommen. bei tiefer konzentration können folgende akute beschwerden auftreten:

  • reizt die schleimhaut der augen und der oberen atemwege
  • es können beschwerden wie augenbrennen, stechen in der nase und im hals, wässrigem schnupfen oder verstopfen der nase auftreten
  • bei anhaltender reizung kommen unspezifische beschwerden wie kopfschmerzen, müdigkeit und unwohlsein dazu

sobald die formaldehyd-konzentration wieder sinkt, verschwinden die reizungen und beschwerden rasch wieder. es bleiben keine gewebeschäden zurück. schädigungen können erst auftreten wenn man während monaten oder sogar jahren einer höheren konzentration ausgesetzt ist.

radon

radon ist ein natürliches, radioaktives edelgas, das aus dem untergrund in gebäude gelangen kann. es ist krebserregend und verursacht in der schweiz 200 bis 300 todesfälle pro jahr. radon ist nach dem rauchen die wichtigste ursache für lungenkrebs. das lungenkrebsrisiko ist umso grösser, je höher die radonbelastung in der atemluft ist und je länger man diese luft einatmet. die radonfolgeprodukte lagern sich auf dem lungengewebe ab und bestrahlen dieses. zwischen der belastung des lungengewebes und dem auftreten von lungenkrebs können jahre bis jahrzehnte vergehen. radonmessungen werden mindestens während drei monaten in der heizperiode oder über die dauer eines gesamten jahres durchgeführt.